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Willkommen im KlubSchach, wie wir es verstehenFreizeit unter Gleichgesinnten. Sport ohne geldwerten Vorteil (weil wir eh keinen Mäzen finden). Deshalb spielen unsere Knappen freiwillig für den Verein. Und abbonieren gegen eine monatliche Grundgebühr von DM 12,50 ein sonniges Plätzchen in ihrer maßgeschneiderten Empor-Truppe. Nur nicht gerade in der ersten Mannschaft. Denn die ist in der letzten Saison in den Keller gerutscht. Und übrigens, die zweite hat die besseren Fußballer. Andere Crews dünken sich schlauer und werben Legionäre an. Möglichst mit schwarzem Gürtel und fremd klingenden Namen. Die können bis über 2500 zählen und metzeln alles nieder, wenn der Sold stimmt. Liegt am Zahltag keine müde Mark auf der Kralle, suchen sie sich ohne Reue eine neue Heimat. Die nennt der Volksmund Bundesliga. Sind die Kriegsvölker mit Söldnern übersäuert, werden Schauwettkämpfe ausgetragen, gefilmt und per Draht der ganzen Welt feilgeboten (big brother light, inter-nett). Der Zeitpunkt, an dem ein Söldnerheer wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten auseinanderstiebt, heißt man Start in die neue Saison. Viele reden davon, dass es im kommenden Jahr besser wird. Aber für wen? Zier dich nicht, drück lieber die Uhr Wir sind da von anderem Schrot und Korn. Bei uns schaut selten einer zu, wenn wir leise um ein halbes Pünktchen winseln. Hier wird ein Auge zugedrückt, wenn schon wieder die Qualle einsteht. Niemand rümpft die Nase, falls man hoffnungslos in die nächste Zeitnot schlittert. Kaum einer lacht hinter vorgehaltenen Hand. Schon deshalb nicht, weil auch ein Kiebitz nächstens patzen kann. Wir sind durchtrieben und undurchschaubar. Eben die besseren Menschenkenner. Wir sind ehrlich, aber nur zu uns selbst. Unser Motto lautet: ein Schach zur rechten Zeit setzt matt. Das einzige Ekelpaket, dass uns unsere (ach allzu menschlichen) Fehler, die wir gezwungenermaßen auch noch schriftlich fixieren müssen, immer wieder unter die Nase reibt, schimpft sich Trainer. Er weiß sofort nach jedem Wettstreit, wie man wo den Kopf aus der Schlinge ziehen konnte. Warum ist er dann nur in seinen eigenen Partien so kopflos? Und welcher Querulant spricht da etwa von Aufbautraining? Nichts als organisiertes Verbrechen. Ich bin hier, um ein gepflegtes Bier zu schlürfen und vielleicht Atzes letztes Opfer zu widerlegen. Nein danke, meine Gedächtnismuskeln haben keinen Kater. Ich bin nicht overstressed, ich meide a priori lange Varianten. Erst hineinschlagen und dann schaun ma mal, sagt der Kaiser. Frau liest Blitz-Illu und man spielt Blitz-Schach. So sieht neudeutsche Bildung aus. Und komme mir niemand mit Theoriegefasel, geschweige denn Computer. Alles digitale Kacke und womöglich mit ekligen Viren durchtränkt. Jede neue Schachpartie ist eine intellektuelle Herausforderung für uns: wir schwindeln kreativ. Selbst im 4. Zug der rustikalen Abtauschvariante wird nach einer verborgenen TN gesucht. Sollen sich doch die anderen Schächer in teuren Tabellenbüchern verspekulieren. Meine Variante ist gut. Die spiele ich schon seit dreizehn Jahren. Und sie hat mir bisher gegen jeden 2000-er positionellen Vorteil eingebracht. Jetzt gib endlich Ruhe, alter Zocker. Und zieh umgehend diese unsympathischen Krieger vor meinem Herrscher ab, wenn du das fünfzügige Matt immer noch nicht siehst. Mit deinen Steinen hätte ich längst gewonnen! Wir suchen unverbrauchte Hirne... Kiebitz, verspürst du nicht Lust, in unseren Empor- Laden einzusteigen? Der hat Tradition und will wieder das Aushängeschild des königlichen Spiels im Land Brandenburg werden. Schach ist ein beschaulich strahlender Leuchtturm in dieser reizüberfluteten Kulturlandschaft. Wer möchte da nicht noch ein wenig denken üben? Bei Empor - da werden sie geholfen. 2000 - Hans Wuttke |
Steven Grigoleit





